Guigobane

„Wir wollen keine Fische verschenken, sondern Angeln kaufen!“

Plötzlich war klar, dass unser Einsatz in Picoco nicht mehr vonnöten sein würde und wir besser daran täten, uns nach einem bedürftigeren Projektdorf umzuschauen. Nach intensiven Beratungen entschieden wir uns schließlich für Joaquinas Heimatdorf Guigobane, ein Dorf, das direkt am Indischen Ozean liegt, inmitten des größten Palmenwaldes der Welt, dem wir bei unserer ersten Afrikareise 2008 einen kurzen Besuch abstatteten. 

23. Juli 2008
„Joaquinas Exfreund hält sich heute zu unserer Verfügung bereit. Mit einem Allradfahrzeug fährt er uns … in den Busch … Wir folgen der Straße weiter in den Norden, auf der wir gestern mit dem Bus gekommen sind, die Nationalstraße Richtung Beira … Rundhütten sieht man in dieser Gegend keine mehr. Hier bevorzugt man die eckige Bauweise, Hütten aus Bambusstangen und Palmzweigen …
Etwas Aufregung vorne im Wagen: …  Abfahrt verpasst! Joaquina ratlos. Wir sind uns sicher, nirgendwo eine abgehende Straße oder ein Schild entdeckt zu haben … Was macht er denn jetzt schon wieder? Fährt einfach neben der Straße die kleine Böschung hinunter! … Eingepennt oder was? … Er macht keine Anstalten, wieder auf die Straße mit den schönen weißen Markierungen zurückzukehren. Stattdessen fährt er einfach weiter, querfeldein. Joaquina frohlockt! Man hat offensichtlich zwei Palmen wiedererkannt, man weiß jetzt wieder, wo es lang geht. Unglaublich!

… Wir haben … die reale Welt verlassen…. Ein Märchenwald! Wir tauchen immer tiefer in den Palmenhain ein, im Schritttempo, auf sandigen, buckligen Pfaden. Dort unten am Fluss waschen Frauen ihre Wäsche, Kinder halten inne mit ihren Spielen, schauen uns nach und winken. Ein Gehöft, ein Maniokfeld, noch ein Gehöft, sauber gefegt, … In der Ferne das weite Meer. Eine Schule, ebenfalls aus Bambus und Palmwedel, es ist gerade Pause! Wir sind die einzigen, die mit einem Auto unterwegs sind… 

Durch die getönten Scheiben bestaunen wir die Umgebung. Dieses Paradies vermag jedoch nicht darüber hinwegzutäuschen, was sich noch vor ein paar Jahren, zur Zeit des Bürgerkrieges, genau hier, im Schutz des Waldes, abgespielt hat…!“  (Auszüge aus: Christoph Goergen: „Piri Piri, Pata Pata, Picoco“, ELfA-Verlag, 2012)

2010
Im Julie reist eine Gruppe von 13 abenteuerlustigen Helfenden, allesamt Mitglieder des Projektchores und des Kollegiums der CKS Merzig, nach Guigobane, um dort zusammen mit den Einwohnern eine Schule zu errichten. Vier Wochen lang lebt man quasi auf dem Schulhof – es waren gerade Ferien, Winterferien genauer gesagt – , in Zelten, ohne fließendes Wasser, ohne Elektrizität. Zelte und anderes Campingzubehör, Werkzeug und Baugeräte, wie z.B. eine alte Betonmaschine, werden zuvor aus Deutschland in einem großen Überseecontainer, samt ausrangierten Schulmöbeln, nach Mosambik geschafft und treffen pünktlich in Guigobane ein. 

Als die Gruppe den Busch im August nach vier Wochen verlässt, ist zumindest der Rohbau der Schule fertiggestellt. Schon kurze Zeit später kann der Schulbau mithilfe des afrikanischen Hilfsvereins Mahlahle fertiggestellt werden.   

2012
Direkt in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule lassen wir einen Trinkwasserbrunnen bauen – die Arbeit muss von schweren Bohrgeräten durchgeführt werden; wir wären da ohnehin nur im Wege. 

2013
Eine Hochzeit und zwei Taufen führt eine kleine Delegation nach Mosambik. Bei der Gelegenheit stattet man Guigobane natürlich einen Besuch ab und bespricht weitere Bauprojekte. „Gerührt stellen wir fest, dass mittlerweile das gesamte Schulgelände mit schönem Palmengeflecht eingezäunt ist. Ebenso sind kleine Gehwege und Beete angelegt. In der Mitte des Schulhofes, wo einst unsere Zelte standen, steht nun ein mächtiger Betonklotz, der den Fahnenmast mit der mosambikanischen Flagge hält“. Der Trinkwasserbrunnen wird übrigens rund um die Uhr genutzt und stellt den Mittelpunkt des Lebens in Guigobane dar: Shops entstehen, eine Bäckerei und ein Friseurgeschäft etablieren sich – leider auch ein Schnapsbrenner, den man aber mittlerweile wieder erfolgreich vertrieben hat. 

2015
Dank unseres Schulgebäudes und des Brunnens, ist die Schule von Guigobane von der mosambikanischen Bildungsbehörde zum Schulzentrum mit hauptamtlichem Schulleiter und fest angestellten Lehrern erkoren worden. Der Bau eines zweiten Schulgebäudes wird notwendig und in Angriff genommen. Abermals reist eine große Gruppe nach Guigobane und beteiligt sich vier Wochen lang maßgeblich an den Bauarbeiten. Welcher Luxus: Dieses Mal hat man für uns eine Duschkabine und ein eigenes Toilettenhäuschen gebaut. 

2017
Ein Tropensturm richtet schwere Schäden entlang der Küste im südlichen Mosambik an. Auch unsere Schule ist betroffen: Das Dach wir quasi abgetragen und Fensterscheiben gehen zu Bruch. Wir lassen unseren Partnern vor Ort Geld für die Restaurierung zukommen. 

2018
Eine größere Wucht, als alle Tropenstürme zusammen, hat der plötzliche Tod unserer lieben Freundin Joaquina Siquice. Es wird zunächst befürchtet, dass dieser Verlust das Ende von ELfA bedeutet. Jedoch kann man sagen, dass sich der Chor zusammengerauft hat und sogar gestärkt aus der Krise hervorgegangen ist. Auch in Guigobane setzte man den Tod Joaquinas mit dem Ende von ELfA gleich. 

2019
Noch im gleichen Jahr wird der zweite Trinkwasserbrunnen gebohrt. Die notwendigen Vorbereitungen für den Bau der Gesundheitsstation werden in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und der Gemeinde Morrumbene getroffen. 

2020
Coronabedingt kann ELfA den Bau der Gesundheitsstation leider nur finanziell stemmen. Unter großem medialem Interesse findet im Februar (?) die Einweihung durch den Gouverneur der Provinz Inhambane statt.

Zukunftsmusik
Auf dem Plan stehen noch zwei weitere, in unseren Augen sehr wichtige Bauprojekte. Einerseits die Schulkantine: Eine solche Schulkantine, und damit die Aussicht auf eine warme Mahlzeit am Tag, wäre vielleicht für viele Schüler ein Anreiz in die Schule zu gehen – oder für viele Eltern, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Noch zu viele Kinder besuchen die Schule leider aus den unterschiedlichsten Gründen nicht: Schulgeld, Schuluniform, zu weiter Weg, fehlende Hilfe zu Hause, … Zum anderen würden wir für die vielen AIDS-Waisen gerne ein Waisenhaus bauen – über diese armen Kinder wird übrigens nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen! Die älteren Geschwister haben notgedrungen das Regiment übernommen – ebenfalls ein Grund für viele Jugendliche, der Schule fernzubleiben. 

Aber beide Bauprojekte scheinen an den Vorgaben der mosambikanischen Behörden zu scheitern. Im Falle Schulkantine hat man uns bislang noch keine Genehmigung erteilt, weil dies im Sinne der Gleichbehandlung der Schulstandorte nicht denkbar wäre, da es die Kinder in Guigobane erheblich bevorzugen würde. Schade!

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