Joaquina Siquice, 1953 in der mosambikanischen Provinz Inhambane geboren, verbrachte ihre Kindheit in jenem Palmenwald, der im Zusammenhang mit Ein Licht für Afrika so häufig erwähnt wird, und in dem unsere Organisation bereits zwei Schulen und eine Gesundheitsstation errichtet hat.
Schon in ihrer Kindheit träumte sie davon, Tänzerin zu werden. Mahigo, wie sie von ihrer Familie aus dem Bitonga-Stamm in Mosambik genannt wurde, blieb diesem Traum auch treu, als sie später als Grundschullehrerin arbeitete.
Ein Stipendium ermöglichte ihr eine dreijährigen Tanzausbildung in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo. Als dort 1983 die Companhia Nacional de Canto e Dança gegründet wurde, war Joaquina Siquice deren erste Prima Ballerina. Mit der Companhia bereiste sie die ganze Welt, auch Deutschland, wo sie einen deutschen Mann kennenlernte, den sie heiratete. Die Ehe war jedoch nicht von langer Dauer. Sie fühlte sich wie eine billige Arbeitskraft im Haushalt ihres Mannes und sah keine Chance, ihre künstlerische und kreative Seite auszuleben.
Dennoch blieb sie in Deutschland und lebte und arbeitete schließlich als freischaffende Künstlerin im schönsten Bundesland der Welt. Sie verstand sich als Botschafterin der afrikanischen Kultur. In zahlreichen Bereichen konnte man die kreative Joaquina erleben – sei es als Betreiberin eines Catering-Services oder als Tänzerin und Trommlerin. Unzähligen Menschen – Kindergartenkindern, Schülern, Erwachsenen – brachte sie in Workshops die Trommeltöne bei und afrikanische Tanzschritte näher.
Im Jahr 2006 begab es sich, dass der spätere Gründer und Projektleiter von Ein licht für Afrika, Christoph Goergen, bei einer Chorveranstaltung auf Joaquina Siquice aufmerksam wurde. Ihre authentische Ausstrahlung und Performance beeindruckten ihn so sehr, dass er beschloss, Kontakt zu ihr aufzunehmen. Zunächst wollte er sie für Workshops an der Christian-Kretzschmar-Schule in seiner Heimatstadt Merzig, an der Goergen übrigens noch immer arbeitet, gewinnen.
„Noch sehr genau erinnere ich mich an den Tag unserer ersten Begegnung im Januar 2006 … Ich kam zu spät zum verabredeten Zeitpunkt … Frau Siquice überreichte mir eine Mappe, aus der alles über ihre Aktivitäten als freischaffende Künstlerin hervorging. Professionell! Ich war beeindruckt! Später, im Laufe des Gesprächs, erwähnte sie, so ganz nebenbei, dass sie Unpünktlichkeit hasse. ‚Darf ich Sie zu einem lecker Crémantchen einladen?‘ (Zweiter Fauxpas). Bei grünem Tee wurden wir dennoch schnell handelseinig … (Auszüge aus: Christoph Goergen: „Piri Piri, Pata Pata, Picoco“, ELfA-Verlag, 2012)
Aus dieser künstlerischen Zusammenarbeit entstand schließlich Ein Licht für Afrika. 2007 als einmalige Aktion geplant, entwickelte sich das Projekt spätestens nach einer Reise, bei der Joaquina Siquice eine kleine Delegation in ihrer alten Heimat willkommen hieß und ihnen die einmalige Gelegenheit bot, Land, Leute und das Projektdorf kennenzulernen, zu einer langfristigen Initiative. Aus dem kleinen Licht für Afrika wurde ein Dauerbrenner. Ein Hoch auf die Musik, die für die Harmonie zwischen Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen sorgte. Im Saarland mag der Spruch „Hauptsach‘ gudd gess!“ wohl seine Gültigkeit haben. In Afrika jedoch kommt vor dem guten Essen erst einmal Musik und Tanz!
Joaquina blieb bis zu ihrem plötzlichen Tod 2018 die gute Seele des Chores und des Vereins. Auf vielfältige Weise war sie eingebunden. So war sie beispielsweise für die choreographischen Elemente verantwortlich, begleitete den Chor auf der Djembe, leitete die Trommelgruppe und schulte die Damen des Chores in der Kunst, die afrikanischen Wickelröcke korrekt zu binden – von wegen „Kulturelle Aneignung“: Sie war stolz, dass sich alle so sehr für ihr Heimatland begeistern konnten. „Ihr verrückten Leute!“, pflegte sie häufig berührt zu sagen, „womit habe ich das verdient?“ Und was den Verein als Entwicklungshilfeorganisation betrifft, war Joaquina Siquice das unverzichtbare Bindeglied zwischen Ein Licht für Afrika und den Projektdörfern in Mosambik. Besonders während der Aufenthalte einiger Vereinsmitglieder vor Ort in Mosambik war sie stets diejenige, die übersetzen, verhandeln und vermitteln musste und folglich die stärksten Nerven benötigte.
Nachdem Joaquinas Leichnam nach langem Hin und Her nach Mosambik überführt werden konnte, wurde sie im März 2018 im Grab ihrer Familie in Maputo beigesetzt. Etwa zeitgleich fand in Merzig in der Kirche St. Josef, wo sie noch vier Monate zuvor mit dem Chor anlässlich des 10-jährigen Bestehens von Ein Licht für Afrika konzertierte, ein Gedenkgottesdienst statt.
In der Trauerrede hieß es abschließend:
„Lasst uns ihr danken, dass sie unser Leben so bereichert hat, dass sie uns ermöglicht hat, in ihre afrikanische Welt einzutauchen, und geholfen hat, diese zu verstehen und unseren Horizont zu erweitern. Lasst uns traurig sein und um sie weinen, aber auch ihr großartiges Leben feiern. Lasst uns ihr mit Ein Licht für Afrika ein Denkmal setzen.“
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